Mit diesen Internetseiten FrauVera-erzaehlt.de möchten wir unsere Erfahrungen und Erkenntnisse mit Methoden der Oral History und der Zeitzeuginnenbefragung weitergeben. Frauenvereine und -verbände sollen angeregt werden – in dem Rahmen, der ihnen möglich ist – selber mit dieser Methode zu arbeiten und ihre "erlebte Verbandsgeschichte" zu sichern.

Bewahren von Erinnerungen – Frauenverbandsarbeit als Motor für politische Teilhabe und Chancengerechtigkeit

Vier Frauenverbände als Beispiel

"Erzählte Geschichte" gibt die höchst subjektive Sichtweise einzelner Menschen wieder. Mit ihr wird das Gesamtbild der vorhandenen historischen Texte bzw. Quellen sinnvoll ergänzt. In Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen wird über die subjektive Schilderung hinaus auch kollektives Wissen erfasst, wenn z. B. über moralische Werte innerhalb der jeweiligen sozialen Schicht, über gesellschaftlich geprägte Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit, über Erziehungsideale oder Auffassungen zur Frauenerwerbsarbeit gesprochen wird.

Interviews ermöglichen die Erfassung der Atmosphäre, der Stimmungen, der leisen Zwischentöne, die kaum schriftlich formuliert sind. Auch viele kleine, scheinbar unwichtige Informationen werden so weitergegeben. So halten viele Quellentexte (z. B. Protokolle) oftmals nur die Ergebnisse, aber nicht die Hintergründe für Entscheidungen fest. Hier können Interviews Sichtweisen vermitteln, die für das Verstehen von Entwicklungsprozessen von großem Wert sind. Gute Gründe also, sich mit dieser Methodik auch der Geschichte von Frauenverbänden zuzuwenden. Im Mittelpunkt des Projektes "Bewahren von Erinnerungen – Frauenverbandsarbeit als Motor für politische Teilhabe und Chancengerechtigkeit" standen dabei engagierte Frauen, die als langjährige Mitglieder die Entwicklung in ihren Verbänden erlebt und mitgestaltet haben. Ihre persönlichen Erinnerungen sind ein Erfahrungsschatz, dessen Erfassung, Sicherung und Aufbereitung für die Auswertung ein zentrales Anliegen des Projektes ist.

Aus diesen Überlegungen heraus führte die Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung von 2006 bis 2009 das Interviewprojekt mit vier Frauenverbänden durch: dem Deutschen Evangelischen Frauenbund (DEF), dem Deutschen Juristinnenbund (djb), dem Deutschen Staatsbürgerinnen-Verband (DStV) und dem Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB). Aus jedem Verband wurden sieben bis neun Frauen zu ihren ganz persönlichen Erinnerungen in Bezug auf die Verbandsgeschichte befragt. Mit diesen relativ wenigen Interviews kann natürlich keineswegs ein repräsentatives Bild der Verbandsgeschichte entstehen. Vollständigkeit war auch nicht das Ziel unseres Projektes. Wir wollten vielmehr mit diesen vier Frauenverbänden – die sehr unterschiedliche thematische und organisatorische Hintergründe aufweisen – beispielhaft erproben, welche Interviewmethoden besonders geeignet sind und zugleich zeigen, welche Informationen sich mit solchen Befragungen gewinnen lassen.

Als Ergebnis liegen nun vor:

  • Interviews als Tonaufnahme und in transkribierter Form (im Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel und in dem jeweiligen Verbandsarchiv)
  • Die Internetpräsentation FrauVera-erzählt.de

 

Regina Löneke, Cornelia Wenzel: "Erzählte Geschichte" in Frauenverbänden. Ein Projekt der Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung In: Zeitschrift des Deutschen Juristinnenbundes - djbZ 3/2008 (pdf)

 

Ansprechpartnerinnen:

Cornelia Wenzel: wenzel@addf-kassel.de
Dr. Regina Löneke: regina.loeneke@gmx.de