Erzählte Geschichte: Möglichkeiten und Grenzen

Oral History ist ein Sammelbegriff für Methoden, mit denen in Interviews Zeitzeuginnen zu vorher festgelegten Themen befragt werden.
Übersetzt wird der Begriff häufig mit "mündliche Überlieferung" oder "erzählte Geschichte" oder "mündlich erinnerte Geschichte".

Zunächst galt die Oral History als eine ideale Methode, um dem Leben der "kleinen Leute", der Alltagsgeschichte von Arbeitern und ihren Familien, aber auch dem Leben von Frauen aus der Unterschicht nachzugehen. Später wurde diese Methodik auch in traditionellen Bereichen, z. B. der Geschichtswissenschaft angewendet, um die eventuell nur spärlichen Quellen zu ergänzen.
Hinzu kommt, dass sich das Forschungsinteresse in den Geschichts- und Kulturwissenschaften in den letzten Jahrzehnten verändert hat: Neben der Erforschung der vermeintlich an Zahlen, Daten, Fakten belegbaren „objektiven“ Vorgänge in der Geschichte wandte man sich mehr und mehr der Innenperspektive, der subjektiven Wahrnehmung und Beschreibung von historischen Prozessen zu.

Über das Erfassen von Interviews mit Zeitzeugen hinaus gibt es weitere Möglichkeiten, historisches Wissen und persönliche Erfahrungen über gesellschaftliche Prozesse zu erfassen und zu vermitteln. So können z. B. Gruppengespräche bzw. Gruppeninterviews durchgeführt werden.
Darüber hinaus erfreuen sich so genannte Erzählcafés zunehmender Beliebtheit. In diesen moderierten Veranstaltungen erzählen Zeitzeuginnen zu vorher abgesprochenen Themen.

Historisches Wissen kann auch durch geführte Rundgänge an ausgewählten regionalen Zielen vermittelt werden, wo eventuell Zeitzeuginnen mit einbezogen werden. Eine weitere Möglichkeit sind Veranstaltungen, bei denen sie ihre Erfahrungen z. B. mit der Präsentation von besonderen Objekten, Bildern oder Fotos einbringen können.

Weitere Veranstaltungsformen sollten vor Ort entwickelt werden und sich an den dortigen besonderen Gegebenheiten und Bedingungen orientieren.

Was ist die "Innenperspektive" der Geschichte?

Hier bekommen wir Antworten auf Fragen nach den persönlichen und kollektiven Werten.

Zum Beispiel: Was sind erstrebenswerte Grundhaltungen der Befragten?

Ist es Fleiß oder kontrollierter Müßiggang, Pflege der Tradition oder Öffnung für Fremdes?

Gelten als Tugenden Durchsetzungsfähigkeit und Mut oder Zurückhaltung?

Wer vermittelt diese Grundhaltungen?

Wie werden sie manifestiert oder verändert?

Links:

Archiv Deutsches Gedächtnis, Hagen

Werkstatt der Erinnerung, Hamburg