Darstellungsformen: Dokumentation, Fallgeschichte, die interpretierende Darstellung

Interviews sind als Transkription nicht geeignet, veröffentlicht zu werden.
Sie können allerdings in unterschiedlichen Formen der Darstellung wiedergegeben werden: in der Dokumentation, der Fallgeschichte und in einer mit anderen Quellen verbundenen Darstellung.

Bei der Dokumentation werden die Interviewtexte sorgfältig bearbeitet, um sie lesbar zu machen. Der Text wird sprachlich und stilistisch vorsichtig überarbeitet, um grobe grammatikalische und orthographische Fehler zu beheben. Allerdings ist dabei zu bedenken, dass diese Eingriffe den ursprünglichen Text stark verändern.

All die genannten Eingriffe [...] zerstören zugleich viele Eigenarten des Interviews, auf die sich eine gründliche Deutung der Texte stützen würde. Statt dessen bereiten sie den Text zu, indem sie dem Text eine ´Gestalt` geben, die zugleich Sinngebung ist. So geeignet ein solcher Umgang mit Interviews in nichtwissenschaftlichen Zusammenhängen ist, so bedenklich ist diese Art der Darstellung für den wissenschaftlichen Umgang mit Geschichte.
(In: Wierling, Dorothee: Oral History. In: Michael Maurer (Hg.): Aufriß der Historischen Wissenschaften, Bd. 7: Themen und Methoden der Geschichtswissenschaft. Stuttgart 2003, S. 81-151, hier S. 143)

Die Darstellung einer Fallgeschichte bietet sich bei einer größeren Anzahl von mündlichen Quellen an, wenn diese eine Typisierung z. B. der biographischen Verläufe oder von Erzählmustern nahe legen. Dabei sollte ein Interview ausgewählt werden, welches typisch ist für das sample / die Gruppe der gesamten Interviews, die zu der besonderen Fragstellung erarbeitet wurden.

Bei der darstellenden Interpretation werden einzelne Aspekte der Interviews mit anderen Quellen zu einer Gesamtdeutung verknüpft. Dabei finden die Zitate aus den Interviews Verwendung, die die deutenden Überlegungen stützen. Kritisch formuliert ist dieses Vorgehen eine durch die Autoren bestimmte Arbeitsform, bei der die Auswahl der Zitate zu einem Text führen, in welchem die Interpretation die Vorstellungen des Verfasser/der Verfasserin zeigen und letztlich die somit interpretierende Nacherzählung des Interviews wiedergeben. Allerdings besteht bei wissenschaftlichen Arbeiten keine Alternative, da jeder Historiker/jede Historikerin in diese Weise mit den schriftlichen Quellen arbeitet.

Jede Benutzung eines Interviews ist eine Interpretation.